Nacktheit - Definition des Begriffs

de.wikipedia.org: Als Nacktheit bezeichnet man die Kleidungslosigkeit von Menschen und die Haar- oder Federlosigkeit von Tieren.
Psychologisch bezeichnet man beim Menschen auch die mit der Nacktheit verbundene subjektive Empfindung selbst als Nacktheit oder Blöße im Sinne von schutzlos. Die Empfindung kann je nach Erziehung bzw. nach den Umständen unangenehm (Scham) oder angenehm sein (Gefühl der Freiheit oder Befreiung).
Das subjektive Empfinden von Nacktheit bzw. Blöße kann neben dem Fehlen von Kleidung auch aus dem Fehlen von Haaren oder gewohnheitsmäßig am Körper getragenen Gegenständen wie Waffen, Schmuckstücken, Perücken oder Schminke resultieren.
Ergänzung Alexander Zettrawski: Nacktheit kann auch Ausdruck des subjektiven Empfindens sein, dass jemand zu wenig oder unangemessen bekleidet ist. (Beispiel: Nur mit Turnschuhen beim Winterjoggen, im Badeanzug in der Kirche,...)
Der Begriff »nackt« wird im übertragenen Sinn auch auf Gegenstände bezogen und drückt dann das subjektive Empfinden aus, dass etwas fehlt. (Beispiel: nackte Wand, nackter Fußboden,...)
Nacktheit bedeutet nicht in jedem Fall, dass etwas fehlt, sondern beschreibt auch den Zustand der Naturbelassenheit oder den Sachverhalt, dass auf etwas Überflüssiges verzichtet wurde. (Beispiel: Kleidung beim Sport, beim Schwimmen,...)

Nacktheit ist der Normalzustand aller Tiere und damit auch des Menschen.

Menschenartige Wesen gibt es seit ca. 6 Millionen Jahren auf der Erde. Der Ursprung dieser Homininen liegt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen im Herzen Afrikas, von wo aus sich die Menschen erst sehr viel später über die gesamte Welt ausbreiteten.
Die ersten 5,9 Millionen Jahre der Menschheitsgeschichte verliefen, ohne dass man Kleidung kannte. Die Menschenartigen und Frühmenschen waren einfach nackt und hatten weder die Notwendigkeit noch das Bedürfnis, ihren Körper mit unnötigem und hinderlichem Ballast zu bedecken. Wie sie einst aussahen, können wir nur aus unvollständigen und teils zerstörten Knochenfunden rekonstruieren.
Skelett und Körper-Rekonstruktion des »Turkana Boy«.
1/13 Homo erectus, »Turkana Boy«. Das Skelett wurde aufgrund von ungewöhnlich vollständigen Knochen-Funden beim Trockenfluss Nariokotome, West Turkana (Kenya), rekonstruiert. Quelle: Wikimedia Lizenz: Creative Commons Bild: Mauricio Antón, published with Alan Turner
Rekonstruktion des »Turkana Boy« im Neanderthalmuseum
2/13 Die Rekonstruktion des »Turkana Boy« im Neanderthalmuseum bei Mettmann ist sehr »phantasievoll« (genauer: völlig falsch) ausgefallen: Die Puppe trägt einen Speer und ein Tierfell, das von einer Spange zusammen gehalten wird - Attribute, die es in seiner Zeit noch gar nicht gab: Die Bodenschichten der Knochenfunde weisen auf ein Alter von rund 1,5 Mio. Jahren. Die ältesten nachgewiesenen Wurfhölzer (Vorläufer der Speere) sind 300.000 Jahre alt, die ältesten Speere 270.000 Jahre. Foto: Neanderthalmuseum. Lizenz: Creative Commons.
Lebzeit des »Turkana Boy«
3/13 Die Grafik ordnet die Lebzeit des »Turkana Boy« in die mittlere Epoche des Homo erectus ein, lange bevor sich daraus der Homo floresiensis und der Neandertaler entwickelten. In ihrem Buch »Turkana-Junge. Auf der Suche nach dem ersten Menschen« stellen die Anthropologen Alan Walker und Pat Shipman klar: »Der Turkana-Junge war ein Tier von der Größe eines Menschen, er sah aus wie ein Mensch, aber er hatte nicht unser Gehirn, und mit ziemlicher Sicherheit verhielt er sich nicht wie ein Mensch.« ISBN 978-1-55297659-3
Die Körper-Rekonstruktion des »Turkana Boy« zeigt einen 1,6 m großen, jungen Homo erectus im Alter von etwa 9-10 Jahren (die Kindheit war damals einige Jahre kürzer als heute). Gestorben ist er an einer Septikämie (Blutvergiftung), deren Ausgangspunkt im Kiefer verbliebene Bruchstücke eines Milchzahns waren, die dem nachwachsenden Backenzahn den Weg versperrten, was zu einer Infektion führte. Sein Hirnvolumen betrug ca. 880 cm³, das im Erwachsenenalter noch auf geschätzt 910 cm³ angewachsen wäre (ein heutiger Homo sapiens erreicht 1400 cm³).
Der Unterschied zwischen den Vor- oder Frühmenschen einerseits und den nächstverwandten Primaten bestand nur darin, dass die Menschen mehr und mehr in der Lage waren, Gegenstände zunächst als Werkzeuge zu benutzen und, sehr viel später, nämlich seit mehr als zwei Million Jahren, diese Werkzeuge zu bearbeiten und noch später selbst herzustellen.
Die Hand des Schimpansen ist zu groß und kommt nicht an den Honig.
4/13 Heutige Schimpansen haben in ihrer Entwicklung inzwischen auch gelernt, Werkzeug zu benutzen. In einem Loch im Baumstamm lockt süßer Honig - aber die Hand des Schimpansen ist zu groß und passt nicht in das Loch. Was tun, um trotzdem an den Honig zu kommen? Der Schimpanse bricht sich einen Stock, um den Honig zu klauen!
Der Schimpanse bricht sich einen Stock, um Honig zu klauen.
5/13 Das Tier lebt wild im afrikanischen Dschungel und hat diese Fähigkeit nicht von Menschen gelernt sondern aus der eigenen sozialen Umgebung (im Rudel). In einem anderen Schimpansen-Rudel, das über 150 km weit entfernt lebt, wird zum Naschen kein Stock sondern ein langes Blatt eingesetzt - Lernen ist also auch bei Schimpansen Kultur-geprägt.
Der Lohn ist eine leckere Honig-Mahlzeit
6/13 Der Lohn für die Werkzeug-Herstellung und dessen geschickte Nutzung ist eine leckere Honig-Mahlzeit.
Der Zustand nackter Natürlichkeit der Menschen blieb völlig unverändert bis hin zu den Frühmenschen vor vielleicht 300.000 bis 100.000 Jahren (mangels datierbarer Belege weiß man nicht Genaueres). Erst danach ergaben sich Entwicklungen, die über Jahrzehntausende hinweg hin zu ersten Formen von Kleidung führten. Aber noch sehr lange darüber hinaus lebten die meisten Menschen ihr tägliches Leben nackt. Das hatte einfache Gründe:
  • ► Kleidung war ein knappes Luxusgut und nicht für jedermann verfügbar.
  • ► Kleidung war ein Status-Symbol und stand nicht jedem zu.
  • ► Kleidung war unpraktisch, weil sie die Bewegungsfreiheit hinderte.
Erst vor rund 5.000 Jahren begann sich in vielen Gesellschaften langsam Kleidung als alltägliches Utensil durchzusetzen. Trotzdem blieb Nacktheit bis heute im Umgang zwischen Menschen gängig, wenngleich im Laufe der Zeit auf immer weniger Gelegenheiten reduziert.
Die ältere Geschichte der Nacktheit oder auch ihrer Ablösung durch Kleidung kennen wir nur bruchstückhaft aus archäologischen Zeugnissen, erst seit max. 60.000 Jahren durch künstlerische Darstellungen und erst seit max. 6.000 Jahren durch schriftliche Überlieferungen - sofern die jeweiligen Völker überhaupt Schrift entwickelt und genutzt haben.

Wie kam es dann überhaupt zur Erfindung von Kleidung?

Es gibt dafür mindestens fünf Ansätze, die allesamt plausibel sind und wohl zusammengespielt haben:
  • ► Die Erfindung von Schmuck, der, je üppiger er wurde, auch bedeckend wurde und sich zu kleidendem Schmuck und schließlich zu Kleidung entwickelte. Zunächst war sowohl Schmuck wie später Kleidung Statussymbol der Eliten.
  • ► Der Schutz vor Kälte, nachdem Menschen in kühlere Regionen ausgewandert waren, in denen etwa während der Eiszeiten ein kleidungsfreies Leben nicht möglich war.
  • ► Der praktische Nutzen von Halsbändern, Tragetüchern, Köchern, Lendenschnüren bis schließlich hin zur Hosentasche zum Transport von allerlei Gegenständen, die man gern ständig bei sich hat.
  • ► Das Aufkommen von Handlungsscham, sexuelle Aktivitäten nicht im Beisein der ganze Gruppe zu vollziehen, sondern abseits (versteckt vor dem Rudelchef). Dies führte im Weiteren zur Entwicklung einer Genitalscham, die dazu führte, dass man begann, die Geschlechtsorgane zu bedecken.
  • ► Das Aufkommen von Handlungsscham, was die Vorgänge der Ausscheidung betraf, die sich dann weiter zur Körperteilscham der daran beteiligten Körperteile entwickelte.

Die Erfindung des Schmucks

Das Bemalen der Körper ist eine unverzichtbare Vorbereitung von Festen.
7/13 Die beiden jungen Männer bemalen sich gegenseitig und verteilen die Farbe mit den Fingern auf der Haut in verschlungenen Mustern. Quelle: Usenet In anderen Stämmen sind die Muster komplexer und individuell. Quelle: Usenet Bemalt und geschmückt mit Tierzähnen, Perlenketten und Stirnband. Quelle: Usenet Bemalt und geschmückt mit Perlenkette, Armband und Kopftuch. Quelle: Usenet Bemalt und geschmückt mit Federbüscheln, bekleidet mit Lendenschnüren. Quelle: Usenet Rot-weißes Muster schmückt die Körperfront. Quelle: Usenet
Sicher ist das Bemalen des Körpers und das Tragen von Schmuck sehr viel älter als die Kleidung, ja, die Kleidung hat sich u. a. aus Schmuck entwickelt. Viele autochthone Stämme etwa in Afrika oder Südamerika pflegen diese überlieferte Praxis noch sowohl zu besonderen Anlässen wie auch im Alltag, und inzwischen auch zur Show bei Vorführungen für Touristen. Halsbänder oder Ringe um den Hals oder auch Armreifen am Handgelenk zu tragen ist eine uralte Verwendung schmückender Utensilien. Die Bemalung mit geometrischen Figuren oder auch mit Farbe setzt vielfach eine aufwändige Prozedur und Sorgfalt voraus von der Herstellung der Farben bis hin zum Auftragen und zur Erzeugung der Muster, für die sich in der Regel zwei Partner finden, die sich gegenseitig schmücken.
Bei den autochthonen Völkern stehen besonders auffällige Schmuckteile und die kunstvollsten Bemalungen nur den sozial besonders hoch stehenden Mitgliedern des Stammes zu. Diese Praxis hat sich sicher sehr früh in der Menschheitsgeschichte herausgebildet.
Die Ethnologie (früher: Völkerkunde) geht davon aus, dass etwa vor rund 200.000 bis 100.000 Jahren die geistige Entwicklung der Menschen so weit voran geschritten war, dass man begann, Rituale zu etablieren und mit inhaltlicher Bedeutung zu versehen - die ersten Schritte zur Entwicklung menschlicher Kultur.
Mit solchen Ritualen waren auch besondere Menschen verbunden, die die Inhalte der Rituale bewahrten und vermittelten, natürlich auch weiterentwickelten. Diese besonderen Menschen - in historischen Kulturen Medizinmänner, Schamanen oder Regenmacher genannt - waren natürlich diejenigen, die sich von den "normalen" Menschen durch ihr Wissen, Geschick und ihre Klugheit abhoben. Natürlich entwickelte sich schnell auch das Bestreben, ihre besondere Stellung durch äußerliche Merkmale wie besonderem Schmuck zu festigen und zu betonen.
Abheben konnte man sich etwa durch besondere Bemalung der Haut, das Stecken einer Vogelfeder ins eigene Haar oder das Tragen eines Tierzahns, der an einem Halsband befestigt war. Der Schmuck war erfunden und entwickelte sich sogleich zum Statussymbol der Elite!
Der Ranghöchste trägt ein Halsband mit Tierzähnen
13/13 Die Rangordnung ist am Halsband erkennbar. Alle sind mit einer Lendenschnur bekleidet, an die der Penis hochgebunden ist - ein frei baumelnder Penis gilt als höchst unanständig und sorgt beim Träger für einen massiven Scham-Ausbruch. Quelle: Usenet

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