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Alain Daniélou (1907-1994) war ein französischer Musikwissenschaftler, Historiker, Indologe, Autor und Hochschullehrer. Zitate aus seinem Werk:

 

»Götter und Propheten wurden nackt erschaffen. Alle menschlichen Wesen wurden nackt erschaffen.« (Linga Purana, I.34.13) 

Nacktheit bedeutet Rückkehr zum Urzustand.

Die Identifikation des Gottes und des Menschen mit der Natur erfordert Nacktheit. David tanzt nackt vor der Bundeslade (Samuel 6.15-16).

Der wahre Mensch ist nackt.

Die Instanz, die verlangt, dass man sich bekleidet, ist die heuchlerische, pharisäerhafte Religion der Stadt.

Shiva ist nackt, »vom Raum umhüllt«.

Der Weise und der shivaitische Mönch ziehen nackt und ungebunden durch die Welt.

Die Nacktheit ist gleichbedeutend mit Freiheit, Tugend, Wahrheit und Gesundheit. 

Der Jainismus, die alte atheistische Religion Indiens und Rivalin des Shivaismus, verlangt ebenfalls Nacktheit von seinen Anhängern. Auch den Griechen waren jene gymnosophistoi oder nackten Asketen, die aus Indien kamen, wohlbekannt.

Die Soldaten Alexander des Großen mussten, wenn sie den Unterweisungen der indischen Philosophen folgen wollten, ihre Kleider ablegen.

Die Nacktheit hat etwas Magisches und Sakrales.

 

»Nackt säen die Saat, nackt lenken die Rinder, 

nackt abschneiden das Korn, wenn du willst, dass zu ihren Zeiten 

Demeters Werke du alle besorgst, auf dass dir ein jedes 

zu seiner Zeit aufwächst...« 

(Hesiod: »Erga«, 390-395)

 

Quelle: Eugen Diederichs Verlag, München, Alain Daniélou, Der Phallus, ISBN 3-424-01412-5