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Für menschliche Gesellschaften ist das Bestehen und die Einhaltung eines solchen Kodexes allerdings weitaus wichtiger, eben wegen der oben geschilderten Notwendigkeit, einen möglichst ungestörten Rahmen für die langwährende Aufzucht des Nachwuchses zu gewährleisten. Zu einer erfolgreichen Aufzucht von Kindern gehört es aber auch, dass insbesondere den Müttern Gelegenheit gegeben wird, sich hinreichend um ihre Kinder zu kümmern. Da Mütter überwiegend junge Frauen sind, mussten in einer gesunden Gesellschaft insbesondere junge Frauen vor sexuellen und anderen Übergriffen geschützt werden.

Aus der ethnologischen Forschung wissen wir, dass Naturvölker, die bis in die Neuzeit oder Jetztzeit hinein nackt oder fast nackt lebten, über sehr ausgefeilte, soziale Regelwerke mit strengen Tabus verfügten, für deren Bruch drastische Strafen verhängt wurden. Zu diesen Tabus gehörte in praktisch allen nackt lebenden Gesellschaften etwa das "Spannen", also das Starren auf Genitalien oder die weibliche Brust, insbesondere aber Berührungsverbote. Nicht einmal Berührungen der Hand oder des Arms einer Frau waren den Männern erlaubt.

Beispiele: Wer eine unverheiratete Frau berührte, musste sie heiraten oder, falls das nicht möglich war (z. B. weil der Täter bereits verheiratet war), ihr die gesamte Aussteuer stiften, was in der Regel zum eigenen existenziellen Ruin führte. Wer eine verheiratete Frau berührte, musste oft sein gesamtes Hab und Gut als Entschädigung an ihre Familie abtreten. Die Berührung einer Brust oder gar der Vulva wurde vielerorts mit dem Tode oder lebenslanger Verbannung bestraft.

Gegenüber solch strengen Regelwerken klingen die gemäßigten Soll-Vorschriften der 10 Gebote, die Basis für das jüdische Volk waren und von Christen wie Muslimen mangelns eigener Ideen übernommen wurden, vergleichsweise milde. Allerdings war das jüdische Volk auch eines, dessen Mitglieder sich aufgrund der oben besprochenen Genitalscham und Körperteilscham recht früh zu bekleiden begannen.