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Allen diesen Ausprägungen symbolischer "Minimalbekleidung" wie Lendenschnur, der daran hochgebundene Penis, die Penishülse oder auch die den Penis scheinbar betonende Namba liegt eine gemeinsame Bedeutung zu Grunde: Alle diese Praktiken folgen den in den jeweiligen Gesellschaften gültigen Scham- und Verhaltensnormen, demonstrieren aber auch, dass die Kraft der männlichen Sexualität ihrer Träger gebändigt und unter Kontrolle ist, so dass man(n) sich in die sozialen Regeln der Gemeinschaft einfügt und von den Trägern dieser Utensilien keine Gefahr von Übergriffen auf andere ausgeht.

Die Utensilien sind also nicht nur »bedeckende« Kleidungsstücke, die vor Blicken anderer schützen sollen, sondern Symbole der Akzeptanz der gültigen sozialen Regeln und Normen. Damit ist auch verständlich, dass derjenige sich schämt, dem diese Symbole abhanden kommen oder genommen werden: Er steht damit außerhalb des sozialen Gefüges seiner Gemeinschaft und ist flugs bestrebt, sich wieder darin einzufügen!

Es handelt sich hierbei also gar nicht allein um die körperbezogene »Nacktscham« oder »Genitalscham«, sondern um die wesentlich wichtigere und komplexere »Sozialscham«, also das Bestreben, den Konsens des menschlichen Zusammenlebens in der jeweiligen sozialen Gemeinschaft zu erfüllen. Dass diese »Sozialscham« eine höchst zentrale Rolle in der Menschheitsentwicklung spielte und spielt, hat zwei sehr wichtige Gründe:

Erstens ist ein erfolgreiches, friedliches Zusammenleben in einer sozialen Gesellschaft nur möglich, wenn sich alle Mitglieder an die sozialen Normen halten und gewaltsame Übergriffe sicher vermieden werden. Die Einhaltung sozialer Normen ist also für die menschliche Gesellschaft überlebenswichtig.

Zweitens war das einzelne Individuum chancenlos zum Untergang verurteilt, wenn es sich aus dem Verbund der sozialen Gemeinschaft lossagte oder aufgrund eines Normenverstoßes aus der Gemeinschaft ausgestoßen wurde - in früherer Zeit noch weitaus mehr als heute.