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Die Lendenschnur "bedeckt" ja nun nicht wirklich, und trotzdem reichte sie in vielen Gesellschaften als Bekleidung aus. Bei vielen zum Teil bis heute überlebenden Naturvölkern in der Südsee oder in Südamerika hat sich für Männer eine Penishülse als Kleidungsstück etabliert, die dazu dient, die Eichel zu bedecken.

Eine freiliegende Eichel, egal ob aufgrund Beschneidung oder natürlicher Rückbildung der Vorhaut, gilt bei diesen Völkern als extrem schamverletzend und darf von niemandem gesehen werden, auch nicht von anderen Männern. Deshalb legen die Männer ihre Penishülse auch ausschließlich zum Urinieren und zum Baden ab und gehen zum Urinieren in die Hocke, damit niemandes Blick auf die Eichel fällt.

  

Die Penishülse wird vielerorts auch nachts getragen, weshalb die Männer ausschließlich auf dem Rücken schlafen. Geht man zum Baden ins Wasser, wird die Eichel sorgfältig mit der Hand verdeckt, und auch das nachfolgende Abtrocknen erfolgt nur mit einer Hand - die andere wird zum Bedecken benötigt.

Das scheinbare Offentragen des Penis in nach oben gerichteter Stellung und die freie Sichtbarkeit des Hodensacks gehen also mit einer extrem stark ausgeprägten Eichelscham einher - für Europäer ein eher unverständliches Phänomen. So hatten denn die Entdecker um James Cook, die in der Südsee erstmalig auf mehrere Völker stießen, in denen Penishülsen getragen wurden, die für lange Zeit allgemein vertretene, aber grundfalsche Vermutung aufgestellt, das Tragen der Penishülse solle das männliche Sexualorgan besonders zur Geltung bringen und die Aufmerksamkeit darauf lenken.

Eichelscham prägte übrigens auch die Männer im klassischen Griechenland: Man war zwar beim Sport und Training nackt, war aber um eine möglichst bedeckende Vorhaut bemüht. Zu einem großen Skandal kam es, als zum ersten Mal Juden an den Olympischen Spielen teilnehmen wollten - Juden waren ja traditionell beschnitten, so dass die Eichel vollständig sichtbar war, was dem Schamgefühl der Griechen absolut widersprach. Die Juden durften an den Wettkämpfen nicht teilnehmen! Teilweise versuchten diese, durch Rück-Operationen wieder so etwas wie eine Vorhaut herzustellen. Quelle: Hans Peter Duerr, Der Mythos vom Zivilisationsprozess, Nacktheit und Scham