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Aus der zunächst vereinzelt beginnenden Kleidungsgewohnheit entwickelte sich alsbald die Kleidung zum Statussymbol, daraus wurde ein Mode. Das offene Tragen von Statussymbolen fördert allerdings Neid, und wo Neid aufkommt, ist die Versuchung eines Diebstahls nicht weit, dem Diebstahl folgt der Raub, und dem Raub schließlich der Mord: Kleidung fördert die Neigung zu kriminellen Handlungen.

Andererseits demonstriert das offene Tragen von Statussymbolen die Überlegenheit und Macht des Höher-Rangigen. Offener Ausdruck von Überlegenheit und Macht führen aber sehr schnell auch zu Unterdrückung und Missbrauch dieser Macht. Kleidung etabliert und festigt also Ungleichheit zwischen den Menschen und erzeugt so Konflikte und Abhängigkeit.

Trotzdem wurde Kleidung schließlich zur Normalität, und irgendwann, sehr viel später, kam es dann auch zu gesellschaftlichen Bekleidungsgeboten. Im biblischen Judentum wird Kleiderlosigkeit mit Armut und Schmach verbunden, ein Hinweis darauf, dass in den bekleideten Gesellschaften Nacktheit alsbald vorsätzlich negativ besetzt wurde. 

Bekleidung bedeckt - schon in ihrer einfachen Form als Schurz - die Genitalien und die mit Körperscham besetzten Ausscheidungsorgane. Sie unterstützt damit natürlich soziale Regeln wie die Blick-Tabus des "Spannens", indem die Objekte begierlicher Blicke unter der Kleidung verschwanden. Unter diesen Umständen konnten die Regeln des Sozialkodex milder ausfallen, wenngleich die schwereren Vergehen wie sexuelle Übergriffe auf andere Menschen auch in bekleideten Gesellschaften weiter unter drastischen Strafandrohungen standen und stehen - ebenso wie bei den nackt lebenden Völkern.

Dass die Entwicklung hin zur Kleidung aber keineswegs zwangsläufig war, beweisen die zahllosen Gesellschaften, die bis in die Neuzeit und Jetztzeit ganz oder fast ganz ohne Kleidung auskamen. Zweifellos ist die zivilisatorische Leistung dieser Völker, für ihr Zusammenleben - oft ohne geschriebene Gesetze - einen funktionierenden Sozialkodex zu entwickeln und einzuhalten, weitaus höher zu bewerten als die Zivilisationsleistung jener Völker, die sich mit Bekleidungsgeboten "die Sache leichter gemacht" haben.