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Hatten die Menschenartigen und späteren Menschen sich von den Tieren schon seit Beginn ihrer Präsenz auf der Erde dadurch unterschieden, dass sie in der Lage waren - und es immer besser wurden -, Gegenstände als Werkzeuge zu benutzen, so unterschied sich ihr sonstiges Verhalten als Lebewesen von den Tieren zunächst nicht. 

So geht die Ethnologie auch davon aus, dass erst vor ca. 100.000 Jahren die Menschen begannen, sich zu bestimmten Handlungen von ihren Mitmenschen abzusondern. Dies betraf etwa die Ausscheidungsvorgänge, aber auch sexuelle Handlungen. Für Tiere gibt es kein Problem, auf der Weide Gras zu fressen und direkt neben ihrer Speise ihre Exkremente ins Gras fallen zu lassen. Auch haben paarungsbereite Partner unter Tieren nicht die geringsten Hemmungen, ihre sexuelle Vereinigung mitten in der Herde oder im Rudel zu vollziehen.

Das war unter Menschenartigen und frühen Menschen ganz sicher ganauso. Erst mit der fortschreitenden geistigen Entwicklung lernte der Mensch, dass seine Ausscheidungen, aber auch die Handlung, sich seiner Exkremente zu entledigen, für andere Menschen störend, ja belästigend sein können. Also begann man irgendwann, sich für diese Tätigkeiten zurückzuziehen und ein Örtchen aufzusuchen, an dem man niemand anderen stört.

Es ist bis heute Gepflogenheit in allen menschlichen Kulturen, den Kindern diese Ausscheidungsscham anzuerziehen, d. h. die Kinder zu lehren, dass man auf die Toilette zu gehen hat, um sich zu erleichtern. In vielen Kulturen ist es überdies so, dass diese anerzogene Handlungsscham auch auf die Körperteile ausgedehnt wird, die mit dem Vorgang der Ausscheidung in Zusammenhang stehen. In diesen Kulturen wird den Kindern also auch eine Körperteilscham beigebracht die beinhaltet, dass man in den meisten Situationen Po, Penis, Skrotum und Vulva zu bedecken hat.

Ist eine solche Körperscham oder Körperteilscham sinnvoll? Schämen kann man sich doch nur dann, wenn man selbst etwas falsch gemacht hat: Wenn man schlechte Arbeit abgeliefert hat, obwohl man es besser kann. Wenn man jemand verletzt (verbal oder körperlich) und damit die Würde des anderen Menschen missachtet hat. Wenn man gegen Konventionen verstoßen hat, die von der Allgemeinheit gesetzt und anerkannt werden.

Aber wieso sollte ich mich für meinen Körper oder auch nur Körperteile schämen? Mein Körper ist ein Geschenk des Schöpfers oder das Ergebnis der Evolution - in jedem Falle habe ich damit nichts falsch gemacht! Ich habe nicht einmal einen Zentimeter Fett aufgetragen, denn ich trage immer noch dieselbe Kleidergröße wie mit zwanzig! Ich habe nichts kaputt gemacht, keine Teile abmontiert und schlecht wieder zusammen gesetzt - nichts dergleichen! Wofür also soll ich mich schämen? Wenn es ein Detail meines Körpers gibt, das noch verbesserungswürdig ist, dann wird die Evolution es in den nächsten Generationen schon richten. Und wenn sich jemand für meinen Körper schämen muss, dann ist es nur der Schöpfer bzw. die Evolution!

Als Naturisten teilen wir die Handlungsscham z. B. in Bezug auf die Ausscheidung wie auf sexuelle Handlungen, lehnen allerdings jede Körperteilscham als unbegründet und abwegig ab. Schließlich ist unser Körper ein Geschenk der Natur oder des Schöpfers, und es wäre zutiefst unangemessen, undankbar und gotteslästernd, sich dieses Geschenks nicht zu freuen sondern sich dafür zu schämen!