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Wenn heute ein Gast nach einer etwas längeren Anreise eintrifft, dann bietet man ihm an, sich die Hände zu waschen, etwas zu trinken zu reichen oder ggf. zu essen. Dies hat eine uralte Tradition. Zu Zeiten, als die Wege noch unbefestigt und staubig waren, als man zu Fuß oder zu Pferd reiste, bestenfalls in einer Kutsche, da dauerten Reisen oft lange, und man kam immer staubig und verschwitzt am Ziel an.

Von der Antike bis zur Neuzeit bot man daher dem eintreffenden Gast zu allererst - noch vor einer Stärkung - ein Bad an, was der Reisende in aller Regel auch dankend gern annahm. Der Kessel mit heißem Wasser stand sowieso auf dem Herd, es wurde in den Badezuber gegossen, mit kaltem Wasser temperiert, vielleicht sogar noch mit ein paar Duftnoten aufgebessert.

Sodann konnte sich der Gast entkleiden und in die wohltuenden Fluten steigen. Nacktscham beim Bade gab es nicht. Man war seit Jahrhunderten, vielleicht Jahrtausenden daran gewöhnt, in Gegenwart anderer Menschen zu baden - besaßen doch die meisten Häuser nur einen kombinierten Wohn-Schlafraum mit Kochecke, und natürlich fand auch das Bad in diesem (einzigen) Raume statt.

Es gehörte wohl zu den selbstverständlichen Gepflogenheiten, dass sich Mitglieder des jeweils anderen Geschlechts von dem Badenden entfernt hielten, aber der Gastgeber / die Gastgeberin assistierten beim Bade mit der Darreichung von Ingredenzien, der Dienstleistung, den Schöpfkrug mit Badewasser über dem Rücken des Badenden zu entleeren, oder ihm am Ende des Bades ein Trockentuch zu reichen.

Entsprechend dieser Badetradition wurde auch das Baden im Fluss oder am Meer nackt ausgeübt - Nacktscham beim Baden gab es nicht. Erst in der beginnenden Neuzeit änderte sich das. Jean Claude Bologne hat in seinem Buch "Nacktheit und Prüderie" das einführende Kapitel unter dieses Thema gestellt. Nachfolgend zwei Leseproben.