Startpage nl20a  en20a  d20a  f20a  eo20a

Die Ursprünge des Naturismus liegen in der Naturbezogenheit in der frühesten Menschheitsgeschichte. Frühe Menschen waren sehr eng in die sie umgebende Natur einbezogen und weitestgehend von ihr abhängig. Das Bewusstsein dieser Abhängigkeit war überall groß, denn es fehlte für viele Naturvorgänge eine Erklärung. In allen frühen Kulturen entwickelte sich daher ein Kult zur Verehrung der Naturkräfte: Sei es das Jagdglück, die Fruchtbarkeit der Felder, die gute Ernte, die Fortentwicklung der eigenen Familie und des eigenen Stammes - für das Erreichen aller Ziele, die den Menschen zum Überleben erforderlich waren, wurden die Kräfte der Natur angerufen.

Diese naturverbundene Einstellung blieb über Jahrtausende hinweg erhalten. Wurden den traditionellen Fruchtbarkeitsfesten auch etwa durch die Kirche ein zusätzlicher christlicher Inhalt gegeben, so blieb dem Osterfest doch der Hase als Fruchtbarkeitssymbol treu, dem Weihnachtsfest als Fest der Lichter, die über die Finsternis siegen, die Freude über die Sonnenwende erhalten, dass die Tage wieder länger werden. Die christlichen Inhalte sind nur oberflächliche, aufgesetzte Geschichtchen auf die wesentlich älteren, fundamentalen Anliegen und tiefen Beweggründe der Menschen.

Mit der zunehmenden Verbreitung der Wissenschaft, die im Zweistromland begann, in Ägypten und dann in Griechenland einen ersten Höhepunkt erreichte, von Römern und Arabern im Mittelalter weiter gepflegt wurde und dann mit der Neuzeit eine geradezu stürmische Entwicklung erfuhr, wurde die Naturbezogenheit der Menschen immer gringer. Es schien (fast) alles erklärbar, die Wissenschaft beantwortet heute nahezu jede Frage, die Weltformel, die alles erklärt, gilt als zum Greifen nah.

Naturphilosophen haben zu aller Zeit diese Überbewertung der Wissenschaft verurteilt und vor der allzu großen Wissenschafts- und Technikgläubigkeit gewarnt. Tatsächlich hat die Menschheit eine Größenordnung erreicht, die die Ressourcen unseres Planeten in absehbarer Zeit erschöpfen wird. Tatsächlich ist längst die Situation erreicht, dass ein Viertel der Weltbevölkerung nicht mehr ausreichend zu ernähren ist. Tatsächlich erreichen wir in absehbarer Zeit durch die Freisetzung des in den Bodenschätzen Öl und Kohle gebundenen Kohlenstoffs wieder die CO2-haltige Atmosphäre und die klimatischen Verhältnisse, die vor Millionen von Jahren durch alles überwuchernde Urwälder die Öl- und Kohlelager haben entstehen lassen.

Der aufkommende Naturismus in der Zeit des Wechsels vom 19. zum 20. Jahrhundert war außer einer Gegenbewegung zum Puritanismus und zur Prüderie des 19. Jahrhunderts auch eine Rückbesinnung auf die Naturkräfte, und dieser Gedanke spiegelt sich auch in allen theoretischen Werken der frühen Naturismus-Bewegung wider.