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Die Geschichte des Naturismus-Bewegung begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit ersten Regungen gegen die Prüderie der viktorianischen bzw. wilhelminischen Epoche. Einige der aktiven Persönlichkeiten, die an der Entstehung des Naturismus prägend beteiligt waren, sollen hier kurz vorgestellt werden

Heinrich Pudor (1865-1943) promovierte 1889 über "Schopenhauers Metaphysik der Musik in seiner Welt als Wille und Vorstellung". Er trat nur für kurze Zeit die Nachfolge seines Vaters als Leiter des Königlichen Konservatoriums in Dresden an, gab dieses aber ab, nachdem er sich wegen Deutschtümelei vehementer Kritik ausgesetzt sah. Danach gründete er  einen Verlag (München, Berlin, später Leipzig), in dem er ausschließlich eigene Werke publizierte – überwiegene Lyrik und Erbauungsschriften, die Darlegungen seiner "Lebensreform" enthielten. 1893 zog er nach London, nachdem zuvor in Dresden Pudors Buch "Nackende Menschen. Jauchzen der Zukunft" erschien. Dies war das erste bedeutende deutschsprachige Werk zum Naturismus.

Richard Ungewitter (1869-1958) war Gärtner und einer der frühen Pioniere der Freikörperkultur, die damals noch "Nacktkultur" genannt wurde. Sein erstes Buch „Die Nacktheit“ erschien im Januar 1906 unter dem vollständigen Titel „Die Nacktheit in entwicklungsgeschichtlicher, gesundheitlicher, moralischer und künstlerischer Sicht“. Die Obrigkeit versuchte mehrfach, das Buch zu verbieten, aber die vom Gericht geladenen Gutachter plädierten zu Gunsten Ungewitters, so dass alle Verbotsversuche scheiterten.

In den folgenden Jahren veröffentlichte Richard Ungewitter weitere Bücher, mit denen er für die Nacktkultur warb. Das bekannteste seiner Werke ist wohl das 1908 erschienene Buch „Nackt“, in dem er auf die Kritiker seines Buchs "Die Nacktheit..." eingeht. Ebenfalls 1908 gründete Ungewitter die „Vereinigung für hygienische, ethische und ästhetische Kultur“. Dies war die zweite FKK-Gruppe in Deutschland nach einem 1898 gegründeten Verein in Essen. Sie erreichte eine Stärke von rund 50 Mitgliedern, hauptsächlich in Süddeutschland.

Später wandte Ungewitter sich offen dem nationalsozialistischen Gedanken der "Rassenhygiene" zu und verlor für die Naturistenbewegung an Bedeutung. In seinen Büchern "Nacktheit und Kultur" (1920) und "Nacktheit und Aufstieg" (1922) wurde dieser Gedanke bereits aufgegriffen und mit der Nacktultur vermengt.

Adolf Koch (1896-1970) versuchte als Lehrer seine reformerischen Vorstellungen von einer „neuen Erziehung“ zu verwirklichen. Dazu gehörte, das Verhältnis von Geist und Körper auf eine neue Grundlage zu stellen. Der Sportunterricht wurde seiner Meinung nach vernachlässigt, indem er sich auf monotone Turnübungen beschränkte. Koch setzte sich auch engagiert für die damals noch nicht selbstverständliche, tägliche Körper- und Zahnreinigung ein.

Kochs Ziel war nun die Entwicklung einer modernen allgemeinen Körper- und Haltungsschule in Verbindung mit freier, tänzerischer Gymnastik. Mit besonderem Engagement entwickelte er spezielle Übungen für Kinder. Die Freude an der Bewegung, der Spieltrieb und das phantasievolle Vorstellungsvermögen der kleineren Kinder flossen dabei mit ein. Für die älteren Kinder entwickelte er Übungen, die unter anderem auf Schwer- und Schwungkraft beruhten.

 

Koch war es wichtig, dass Jungen und Mädchen gemeinsam übten, denn die Kinder sollten auch Respekt vor dem Körper des anderen Geschlechts erlernen und erfahren, dass Nacktheit an sich nichts Sexuelles ist. 1923 beendet Koch seine Gymnastiklehrerausbildung.

 

1924 gründete er sein Institut für Freikörperkultur und die Körperkulturschule Adolf Koch, mit denen er im Lauf der Zeit dreizehn Gymnastikschulen in Deutschland aufbaute. Zu deren Programm gehörte neben der Gymnastik auch Wechselduschen, Höhensonnenbestrahlung, ärztliche Untersuchungen und Betreuung, Aussprachen zu allen Problemen und weitere Unterrichtsstunden.

 

Er selbst zu seinem Programm: "Spaß und Freude an der Bewegung stehen stets im Mittelpunkt. Selbstverständlich lassen sich diese lockeren Gymnastik-Stunden auch in freier Natur durchführen."