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Naturismus ist eine Geisteshaltung, in der der Mensch sich als Teil der Natur erkennt und sein Denken und Handeln daran ausrichtet, sich möglichst weitgehend in das Naturgeschehen einzufügen. Dies schließt ein, dass der Naturist die Natur als Lebensraum zu erhalten und sie möglichst wenig zu (zer-) stören sucht, vorhandenen (Zer-) Störungen der Natur entgegentritt und sie zu restaurieren versucht, und dass er nur so viel erntet (d. h. der Natur entnimmt), wie es zum Leben nötig ist und wie in der Natur nachwachsen kann. 

Naturismus impliziert eine Lebensweise, die sich von den Zwängen der Zivilisation und der gesellschaftlichen Werte und Normen bewusst absetzt und sich auf ursprüngliche, naturbezogene Wertbildung beruft.

Ursprünge

Die Ursprünge des Naturismus liegen in der Naturbezogenheit in der frühesten Menschheitsgeschichte. Frühe Menschen waren sehr eng in die sie umgebende Natur einbezogen und weitestgehend von ihr abhängig. Das Bewusstsein dieser Abhängigkeit war überall groß, denn es fehlte für viele Naturvorgänge eine Erklärung. In allen frühen Kulturen entwickelte sich daher ein Kult zur Verehrung der Naturkräfte: Sei es das Jagdglück, die Fruchtbarkeit der Felder, die gute Ernte, die Fortentwicklung der eigenen Familie und des eigenen Stammes - für das Erreichen aller Ziele, die den Menschen zum Überleben erforderlich waren, wurden die Kräfte der Natur angerufen.

Diese naturverbundene Einstellung blieb über Jahrtausende hinweg erhalten. Wurden den traditionellen Fruchtbarkeitsfesten auch etwa durch die Kirche ein zusätzlicher christlicher Inhalt gegeben, so blieb dem Osterfest doch der Hase als Fruchtbarkeitssymbol treu, dem Weihnachtsfest als Fest der Lichter, die über die Finsternis siegen, die Freude über die Sonnenwende erhalten, dass die Tage wieder länger werden. Die christlichen Inhalte sind nur oberflächliche, aufgesetzte Geschichtchen auf die wesentlich älteren, fundamentalen Anliegen und tiefen Beweggründe der Menschen.

Mit der zunehmenden ThalesVerbreitung der Wissenschaft, die im Zweistromland begann, in Ägypten und dann in Griechenland einen ersten Höhepunkt erreichte, von Römern und Arabern im Mittelalter weiter gepflegt wurde und dann mit der Neuzeit eine geradezu stürmische Entwicklung erfuhr, wurde die Naturbezogenheit der Menschen immer gringer. Es schien (fast) alles erklärbar, die Wissenschaft beantwortet heute nahezu jede Frage, die Weltformel, die alles erklärt, gilt als zum Greifen nah.

Naturphilosophen haben zu aller Zeit diese Überbewertung der Wissenschaft verurteilt und vor der allzu großen Wissenschafts- und Technikgläubigkeit gewarnt. Tatsächlich hat die Menschheit eine Größenordnung erreicht, die die Ressourcen unseres Planeten in absehbarer Zeit erschöpfen wird. Tatsächlich ist längst die Situation erreicht, dass ein Viertel der Weltbevölkerung nicht mehr ausreichend zu ernähren ist. Tatsächlich erreichen wir in absehbarer Zeit durch die Freisetzung des in den Bodenschätzen Öl und Kohle gebundenen Kohlenstoffs wieder die CO2-haltige Atmosphäre und die klimatischen Verhältnisse, die vor Millionen von Jahren durch alles überwuchernde Urwälder die Öl- und Kohlelager haben entstehen lassen.

Der aufkommende Naturismus in der Zeit des Wechsels vom 19. zum 20. Jahrhundert war außer einer Gegenbewegung zum Puritanismus und zur Prüderie des 19. Jahrhunderts auch eine Rückbesinnung auf die Naturkräfte, und dieser Gedanke spiegelt sich auch in allen theoretischen Werken der frühen Naturismus-Bewegung wider.

Autochthoner Naturismus

Yawalapiti Kinder in AmazonienDie naturbezogene Lebensweise Wasser in Einweg Plastikflaschenautochthoner Völker z. B. der Yawalipiti im Amazonas-Gebiet galt den Naturisten lange Zeit als Vorbild für ihre eigene Einstellung. Inzwischen hat sich diese Vorbild-Funktion jedoch verloren, denn die meisten dieser Völker hat längst die Zivilisation erreicht: Die Yawalipiti-Kinder im Bild rechts tragen neben anderen, industriell verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln Wasser in Einweg-Plastikflaschen in ihr Dorf. Ob die Flaschen im Amazonas landen und folglich anschließend im Meer? Oder sind die Amazonas-Dörfer an ein Recycling-System angeschlossen?

 

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