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Wofür sollten wir uns denn schämen? Für die Reinheit unseres Wesens?


Quelle: tumblr

Kein anderes Zitat der Weltgeschichte passt so gut zum naturistischen Wandern wie das Wort König Edwards, seit 1348 auch Leitspruch des ritterlichen Hosenbandordens:

Honi soit qui mal y pense   -   Schämen möge sich, wer schlecht darüber denkt. 

Edward III., König von England von 1327 bis 1377

Unser Körper ist ein Geschenk der Natur, und es wäre undankbar und gotteslästernd, Gottes oder Allahs Werk gering zu achten und Scham dafür zu entwickeln, dass er uns Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat!

In diesem Zusammenhang ist es gut zu wissen, wie etwa die Kirche sich zur Nacktheit stellt. Papst Johannes Paul II., der während seiner Zeit als Erzbischof und Kardinal an zwei Universitäten über Katholische Sozialethik lehrte, hat die Einstellung der katholischen Kirche zur Nacktheit in seinem Fundamentalwerk zur katholischen Sozialethik "Liebe und Verantwortung" wie folgt festgeschrieben:

Da er von Gott geschaffen ist, kann der menschliche Körper nackt und unbedeckt
bleiben und bewahrt doch unberührt seinen Glanz und seine Schönheit.

und weiter

Nacktheit als solche darf nicht gleichgesetzt werden mit physischer Schamlosigkeit.

Unanständigkeit ist nur gegeben, wenn Nacktheit eine negative Rolle
in Hinsicht auf den Wert einer Person spielt.

Papst Johannes Paul II.

Seit es Menschen gibt

Nackt durch die Welt zu gehen ist die traditionsreichste und älteste Fortbewegungsart des Menschen. Sie wird praktiziert, seit es menschenähnliche Wesen gibt, also seit rund 6 Millionen Jahren. Die ersten 5.900.000 Jahre war es sogar die einzige Fortbewegungsart, denn die ersten Ansätze für Kleidung wurden erst vor ca. 100.000 Jahren erfunden und waren im Alltag für die nächsten rund 95.000 Jahre das Privileg der Reichen.

So auch in der ersten dokumentierten Hochkultur der Geschichte, in Ägypten. Im "Alten Reich", also vor rund 6000 bis 4500 Jahren, wurde die tägliche Arbeit seitens der normalen Bevölkerung (Landwirtschaft, Bau, Jagd, Handwerk, Hausarbeit usw.) durchgängig nackt vollbracht, nur die gesellschaftlich Höhergestellten schwitzten ihren Schurz feucht statt zu arbeiten. Dies galt natürlich besonders für den Pharao und seine Familie sowie die Schar seiner Beamten. Die "Menschen wie du und ich", die sich damals wie heute mit Arbeit ihr Brot verdienen mussten, konnten sich zum einen Kleidung gar nicht leisten (jedenfalls nicht im Alltag, wo Kleidung auch schnell verschleißt), zum andern war Kleidung bei der Arbeit auch hinderlich und schränkte die Beweglichkeit ein.

In den aus Afrika in gemäßigte Klimazonen ausgewanderten Völkern sorgten allerdings die gemäßigten Temperaturen schon früher dafür, dass Kleidung sich als Kälteschutz allgemein verbreitete. Allerdings besitzen wir von diesen Völkern auch deutlich weniger Zeugnisse und wissen daher auch weniger über sie. Der Hauptgrund dafür liegt im feuchteren Klima, in dem archaische Überbleibsel nicht so gut konserviert wurden wie im trockenen Wüstensand.

Wir sind heutzutage mit der Praxis des nackten Wanderns etwas aus der Übung gekommen, bewegen uns damit aber in einer der ältesten Traditionen der Menschheit! Und dessen sollten wir uns bewusst sein. Vor allem, weil diese Traditionen Erlebnisbereiche offenbaren, die größtes Glücksgefühl und naturbewusste Selbstbesinnung bescheren - Eindrücke in einer sonst unerreichbaren Erlebnistiefe!


Sommerwanderung. Quelle: Usenet

Nackt zu wandern ist eine bereits über 100 Jahre alte Forderung aus der Gründerzeit der FKK-Bewegung und wurde, wie man in Richard Ungewitters »Nackt« (1908) nachlesen kann, auch schon damals praktiziert. Erst in den letzten Jahren aber hat eine größere Anzahl von Menschen das Nacktwandern für sich als beglückende Natursportart wiederentdeckt. Während der warmen Jahreszeit finden an praktisch jedem Wochenende eine oder auch mehrere Wanderungen in ganz Deutschland statt.


Nacktwanderung in den Bergen. Quelle: Usenet.