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Alles begann im Jahre 1933 mit einer Schrift von Howard Warren, einem Psychologen an der Universität Princeton und Präsident des Amerikanischen Psychologenverbandes. Ein Jahr zuvor Howard C. Warrenhatte Warren sich eine Woche in einem deutschen Naturistencamp aufgehalten. Sein Aufsatz "Gemeinsame Nacktheit und das Körper-Tabu" war nach Urteil namhafter Kollegen eine "qualitätvolle und sehr verständige Abhandlung der sozialen und psychologischen Bedeutung des Nudismus".

Bald danach wurden andere Artikel in Psychologischen howard c warren elementsJournalen veröffentlicht, die die vorteilhaften Auswirkungen des Nacktseins auf Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern und Erwachsenen ausüben.

Es war dann der Psychologe Paul Bindrim, der 1967 als erster nackte Psyschotherapie anwandte. Bindrim war ein qualifizierter Fachmann, der von den Ideen des wohlrespektierten und angesehenen Abraham Maslow inspiriert wurde.

Bindrim war ein zugelassener Psychologe mit akademischer Ausbildung an der Columbia und Duke Universität, und er war so sorgfältig, seine therapeutischen Innovationen in der Sprache wissenschaftlicher Vorgehensweise zu beschreiben. Mehr noch: Seine therapeutischen Entdeckungen bezogen sich stark auf die Arbeit des damaligen Präsidenten des Amerikanischen Psychologenverbandes, Abraham Maslow. Weltbekannt als einer der Väter menschlicher Psychologie hatte Maslow ein lange zurückreichendes Interesse an Nudismus bis zurück zu seiner Diplomarbeit in den 30er Jahren. Obwohl er nie ausdrücklich über Nackttherapie geschrieben hatte, waren Maslows Arbeiten eine Inspiration für nackte Psychotherapie, und er befürwortete öffentlich, diese Therapie weiter zu entwickeln.

In seiner frühen Arbeit schuf Bindrim eine erlebnisorientierte Psychotherapie, die zu einem Höhepunkt-Erlebnis führen sollte, in 4 Stufen verlief und in Gruppenarbeit vollzogen wurde.

Maslow verglich die Höhepunkt-Erlebnisse mit einem Besuch in einem persönlich ausgestalteten Himmel (1968). Menschen mit Höhepunkt- Erlebnissen fühlen sich während dieser Phase einer maximalen psychologischen Funktion intelligenter, stärker und schöner als in anderen Phasen. Die Menschen fühlen auch eine verbesserte Einheit ihrer eigenen Person und eine verbesserte Kongruenz mit ihrer Umwelt.

Andererseits wurde auf die inspirierende Wirkung von Gruppendynamik gesetzt, die Menschen zu Offenheit, Selbstentdeckung, Vertrauen und Ehrlichkeit bringt.

Die Techniken wurden eingesetzt, um starke Emotionen zu erzeugen und dabei Durchbrüche zu erzielen. Eine weiteres Mittel war der Einsatz von hinreichend Zeit. Die Gruppen trafen sich am Stück für 18 bis 36 Stunden. Nach Nicholson bewirkte die lange Zeitdauer des Zusammenseins und der damit verbundene Schlafentzug den Aufbau einer zusätzlichen, psychologischen Dynamik.

Die erste Sitzung der nackten Psychotherapie fand am 16. Juni 1967 an einem kalifornischen FKK-Gebiet mit 24 Teilnehmern statt. Weitere Sitzungen wurden an mondänen Hotels durchgeführt, die in schöner Landschaft gelegen waren und allerlei Annehmlichkeiten boten. Es waren in der Regel 15 bis 25 Teilnehmer, die Kosten betrugen $ 100 pro Teilnehmer für ein Wochenende oder $ 45 für einen Tag.

Wie andere Teilnehmer an Gruppenbegegnungen begaben sich auch die nackten Dauerteilnehmer in eine kulturell ungewohnte, mit starken Emotionen einhergehende Ausnahmesituation. Die meisten der Teilnehmer kannten sich vorher nicht, doch war ihnen angekündigt worden, dass die Aktion mit außerordentlich starken Emotionen und weitgehender körperlichen Offenheit in der Gruppe einherging. Im Bewusstsein der Ausnahmesituation versuchte Bindrim durch Spiele und Gespräche ein Gemeinschaftsgefühl unter den Teilnehmern zu bewirken.

Bei Bindrim begann dieser Prozess durch Einsatz von vertrauten Begegnungstechniken in der Gruppe. Die Teilnehmer wurden eingeladen, sich gegenseitig in die Augen zu blicken, danach die Augen zu schließen und sich auf körperliche Art und Weise zu nähern (Umarmen, Streicheln, etc.). Nach dieser Kontaktaufnahme entkleideten sich nude therapy cdie Teilnehmer in der Dunkelheit mit musikalische Begleitung. Danach ließ Bindrim die nunmehr nackten Teilnehmer im Kreis anordnen und führte eine Meditationsrunde durch.

paul bindrimDer nackte Körper wurde als ein Fenster in die Seele betrachtet, zum wahren Selbst. Bindrim entwickelte für die Teilnehmer unbequeme und anstrengede Übungen, mit denen er versuchte, ihre Seele zu erreichen um diese von der Last belastender Lebenserfahrungen freizuräumen.

Nackt-Therapie beruhte auf der Idee, den nackten Körper als Zugang zur Seele zu nutzen. Die tabulose Ausstellung des nackten Körpers ergab den Schlüssel zur inneren Wahrhaftigkeit und Echtheit. In den Marathon-Sitzungen verfolgte Bindrim diesen Zugangsweg zum Inneren der Menschen mit Entschlossenheit und Ausdauer. Durch das Tor der körperlichen Offenbarung erreichte Bindrim mit seiner Therapie auch die seelische Offenlegung mit dem Ziel, die persönlichen, menschlichen und sozialen Zwänge, denen die Teilnehmer unterlagen, freizulegen und durch diese Freilegung zu überwinden.

Wohl wissend, dass zahlreiche seelische Verklemmungen und Belastungen aus der Sphäre der Sexualität erzeugt werden, bezog der ausdrücklich auch die Genitalien und den Anus der Teilnehmer in die therapeutischen Handlungen mit ein, um ihnen auch diese Lasten der Seele eindringlich bewusst zu machen und auf dieser Basis ihre Seelen von dieser Last zu befreien und so den sexuellen Schuldkomplex zu bekämpfen. Die Teilnehmer sollten mit solchen Erfahrungen wieder ihre eigene Sexualität als natürlichen Bestandteil der gesamten, einheitlichen Person erkennen und anerkennen.

Betrachtet man die kulturelle Klima der 1960er und 1970er Jahren, ist es nicht verwunderlich, dass die Medien nackte Psychotherapie aufnahmen und priesen, und viele Zeitschriften veröffentlicht positive Erfahrungen. Auch befürwortet Maslow, der die APA-Präsident war zu der Zeit, Bindrim und seine Arbeit, obwohl er Vorbehalte hatte. Doch andere Psychologen und Psychiater stellten Bindrim in Frage und kritisiert Bindrims nackte Therapie.

the psychopath testEinen neuen Ansatz der Nackt-Therapie gab es in den späten 1960er Jahren, als ein kanadischer Psychiater nackte Psychotherapie für das Ziel einsetzte, Psychopathen im Gefängnis zu heilen. Der Journalist Jon Ronson hat diese nude-Sessions in seinem Buch "The Psychopath Test" beschrieben.

In Oak Ridge Hospital für "geisteskranke Kriminelle", begann der Psychiater Elliot Barker mit "der weltweit allerersten nackten Marathon-Psychotherapie-Sitzung für kriminelle Psychopathen". Elliott selbst ist nackt, geht sehr hart mit seinen Patienten um, und die LSD betriebenen Sitzungen dauerten epische elf Tage.", so Ronson.

In den 90er Jahren erkannten dann Forscher den eklantanten Misserfolg von Barkers Versuch, Kriminelle mit seiner Nackt-Therapie zu heilen. 60% der Probanden wurden nach Entlassung aus ihrem Strafvollzug rückfällig, einige davon begingen danach noch grausamere Verbrechen als die, für die sie zunächst verurteilt worden waren.

Auch in der Gesellschaft kippte in den 80er Jahren die Stimmung in den USA zurück in die sehr viel konservativeren Vorstellungen der 50er Jahre. Diese Entwicklung zu Konservativismus und Prüderie hält in den USA bis heute an. Bindrims psychologische Praxis bestand zwar weiter, aber seine Nackt-Therapie wurde in den 80ere Jahren eingestellt. Der Nachruf nach Bindrims Tod 1997 in der Los Angeles Times ließ kein gutes Haar an seinen Vorstellungen.

Quelle: the-history-of-nude-psychotherapy