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Spanien ist ein zentralistisch spanienregiertes Land, das aber die Gesetzgebungshoheit für zahlreiche Rechtsgebiete an die einzelnen Provinzen übertragen hat. Dies führt dazu, dass die Regelungen lokal sehr unterschiedlich ausfallen können.

In der Zeit der Franco-Diktatur haben restriktive Regelungen für eine völlige Unterdrückung naturistischer Ambitionen gesorgt. In den neuen Gesetzen im Zeichen der Demokratie wurde eine weitgehende Regelungsfreiheit bzgl. naturistischer Einstellungen und Praktiken erhalten und Naturismus als Teil der Menschenrechte verstanden.

Die spanische Naturisten-Vereinigung setzt sich vehement dafür ein, es bei dieser Freiheit zu belassen und neue, restriktive Regelungen zu vermeiden. Sie verweist darauf, dass - auch nach spanischem Straftrecht - nur sexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit verboten sind und unter Strafe stehen, dass aber gegen einfache Nacktheit schon aus Respekt vor der menschlichen Natur keine rechtlichen Einwände bestehen können.

Quelle: http://www.naturismo.org/legal.html (Die deutsche Version ist eine sehr holprige, wahrscheinlich rein maschinelle Übersetzung.)

Mit Erfolg verteidigt die spanische Naturisten-Vereinigung bisher die Textilfreiheit an vielen traditionellen Stränden wie etwa in Las Palmas, Ténerife oder der gesamten Südküste von Gran Canaria.

Allerdings hat sich in Teilen der spanischen Gesellschaft inzwischen auch die Meinung entwickelt, dass in Spanien zu viel Nacktheit praktiziert und geduldet wurde, und dass dem entgegen zu steuern sei. Dieser gesellschaftliche Prozess ist noch im Gange, so dass die Lage in Spanien bzgl. der Erlaubnis/ Duldung/ Akzeptanz von Nacktheit aktuell stark in Bewegung begriffen ist. Hierzu einige Beispiele:

Nacktbaden

Eine spanische Besonderheit ist die Zentralverantwortung für den Küstenstreifen, die beim Umweltministerium liegt und durch das "Ley y Reglamento de Costas" (Küstengesetz) geregelt wird. Die einzelnen Provinzen und auch die Anlieger-Gemeinden hatten hier keine Regelungsbefugnis, so dass praktisch an fast allen Stränden Spaniens in der Vergangenheit Nacktbaden praktiziert und geduldet wurde.

Dies hat sich seit 2009 geändert, nachdem als erstes die katalonische Gemeinde Castell-Platja D’Aro auf ihrem nahe gelegenen Strand das Nacktbaden verboten hatte und auf die Klage der Naturisten-Vereinigung hin das Oberste Gericht die Rechtmäßigkeit des Nacktbadeverbots entschieden hat. Seitdem sind weitere Gemeinden mit solchen Verboten gefolgt, so dass bzgl. des Nacktbadens am Strand vermehrt lokale Vorschriften zu beachten sind.

Nacktheit in der Stadt

2015 hat die Stadt Barcelona mit einer Stimme Mehrheit im Rat Nacktheit innerhalb der Stadt untersagt, die bis dahin in einigen Stadtvierteln häufig praktiziert wurde. Die Proteste der Nudisten in Barcelona gegen das Verbot zogen sich über ein Jahr hin, blieben aber letztlich erfolglos. In anderen Städten und Gemeinden fehlte eine solche nudistische Tradition ohnehin.

Urlaubsziele

Für die klassischen Urlaubsziele gelten sehr unterschiedliche Regelungen, die aber in den letzten Jahren durch zunehmende Verbote nackter Aktivitäten geprägt sind.

Eigentlich ist Nacktbaden auf Mallorca seit 2014 verboten – sogar wer sich zu leicht bekleidet in den Innenstädten der Insel zeigt, riskiert eine Geldstrafe von bis zu 200 Euro. Dennoch gibt es aber auch hier noch zahlreiche Orte, an denen man ganz sorg- und hüllenlos schwimmen kann.

Quelle: https://www.travelbook.de/ziele/straende/fkk-auf-mallorca-an-diesen-straenden-koennen-sie-nackt-baden

Die Stadt Las Palmas auf Gran Canaria hat begonnen, die Benutzung der Strände zu regeln und versucht, Kleidungsvorschriften durchzusetzen.

Die Gemeinde Valle Gran Rey auf La Gomera hat einen abgelegenen Strand für Naturismus freigegeben und versucht nun durchzusetzen, dass im Gegensatz dazu an allen anderen Stränden der Gemeinde Naturismus verboten ist.

Die Gemeinde Granadilla hat für den am Ortsrand gelegenen Strand Playa de la Tejita ein Nacktbadeverbot erlassen, musste dies aber nach einer Klage wieder aufheben, da dieser Strand bisher nicht als ein Ortsstrand bezeichnet werden kann - er liegt zu weit außerhalb des Ortes. Allerdings ist dort ein neuer Hotelkomplex im Bau - zukünftig könnte dort also die Deklaration eines Nacktbadeverbots legitim sein.

Nacktwandern

An den riesigen Strandgebieten von Fuerteventura und Lanzarote sind nackte Tageswanderungen weit verbreitet. Auf Lanzarote gibt es das FKK-Dorf Charco del Palo, in dessen Umgebung überall Naturisten unterwegs sind.

Auf Gran Canaria wird das Nacktwandern im Bereich der Maspalomas Dünen sowie am Strand zwischen Playa del Ingles und Maspalomas praktiziert. Offiziell erlaubt ist das FKK wandern dort zwar nicht, es wird aber geduldet. Allerdings ist es ratsam, zumindest eine Badehose oder ein Handtuch bei sich zu haben.

Zusammenfassung

Derzeit ist die spanische Gesellschaft noch dabei, ihren Weg zwischen Naturismus-Akzeptanz und -Einschränkung zu suchen. Für Spanien-Urlauber macht das die Situation vor Ort nicht einfacher. Man informiere sich daher über lokale Regelungen und halte sich daran, um Problemen im Urlaub aus dem Wege zu gehen. Wer mag, kann natürlich auch durch eigenes Tun mitwirken beim Wettstreit um den richtigen Weg - was u. U. verbunden sein kann mit Kosten oder mit anderen Unbequemlichkeiten.